|

Zora Neale Hurston
zurück zur Kurzinfo
|
"Von Sumpfzypressen und Geiern" - längerer Infotext
Auf den Spuren der schwarzamerikanischen Schriftstellerin
und Ethnografin Zora Neale Hurston (1891 - 1960)
Im Übersetzerforum / Literaturhaus München
13. Oktober 2005
Abgeschirmt von Segregation und Rassenhaß, wuchs Zora Neale Hurston, die "Mutter der schwarzamerikanischen Literatur", in Florida, in der ersten von Schwarzen selbst verwalteten, rein schwarzen Kleinstadt der USA auf. Nach dem frühen Tod der Mutter jobbte sie sich als Dienstmädchen, Garderobiere und Maniküre durch eine Abend-Highschool und durch einige Semester an der schwarzen Howard University von Washington. Gefördert von weißen Mäzeninnen studierte sie schließlich, als "heilige schwarze Kuh" des weißen Barnard College in New York, Geschichte und Anthropologie. Als erste schwarze Ethnografin bereiste sie unter abenteuerlichen Bedingungen die Camps der schwarzen Wanderarbeiter im black belt der USA und die Karibik, um afro-amerikanische und afrokaribische Folklore zu sammeln und bei Voodoo-Heilern in die Lehre zu gehen. Die meisten ihrer Erzählungen und Romane spielen in black communities in den Südstaaten oder in Harlem, und ihre Figuren sprechen unverblümten black slang. Floridas wilde subtropische Natur prägte Hurstons Jugend und ihr gesamtes Werk. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie als ebenso gefeierte wie umstrittene Schriftstellerin, Dramatikerin und Musiktheater-Regisseurin zur zentralen Figur der Harlem Renaissance, zur queen of the niggerati. Dennoch war Hurston zeit ihres Lebens auf weiße Wohltäter angewiesen, und als die Fördermittel ausblieben, schlug sie sich wieder als Dienstmädchen durchs Leben und starb 1960, vergessen und verarmt in einem Fürsorgeheim in Fort Pierce in Florida. Erst in den 70er Jahren wurde ihr Werk von Alice Walker wiederentdeckt und 1985 in die Library of America, den Olymp der amerikanischen Literatur, aufgenommen.
Im deutschsprachigen Raum gelten Hurstons Werke, vor allem ihre urwüchsigen "schwarzen" Dialoge, manch einem als unübersetzbar. Barbara Henninges, die mit mehreren deutschen Mundarten aufwuchs, fand jedoch in der schelmenhaften, direkten, bilderreichen Redeweise der kleinen Leute hüben wie drüben, schwarz wie weiß, so viel Vergleichbares, dass sie den Versuch wagte, Hurston eine deutsche Stimme zu geben. Sie übersetzte den Roman Their Eyes Were Watching God ("Und ihre Augen schauten Gott", 1993, Ammann) und die Autobiographie Dust Tracks on a Road ("Ich mag mich, wenn ich lache", 2000, ebenfalls Amman). Die Romanübersetzung wurde 1994 mit dem Stutgarter Literaturpreis ausgezeichnet. Anhand von Archivbildern, Tonbandaufnahmen und eigenen Fotos veranschaulicht die Übersetzerin die Notwendigkeit eigener Feldforschungen und versucht, mit Hilfe von kurzen Lesungen und Textbeispielen den Nachweis zu führen, dass ein wirkungsäquivalentes deutsches Idiom für African American English geschaffen werden kann, das dem Original annähernd gerecht wird.
|